"Hier gibt es wirklich nichts. Egal, wohin Sie schauen: niente", sagt Erika Träger am Telefon. Die Lokalpolitikerin aus Passau klingt abgeklärt, wenn sie über das Thema Schwangerschaftsabbrüche spricht. Seit mehr als 30 Jahren sitzt Träger im Stadtrat und seitdem beschäftige sie die schlechte Versorgungslage in ihrer Region. "Frauen, die im hintersten Bayerischen Wald wohnen, fallen einfach durchs Raster." Denn eine Person, die ihre Schwangerschaft abbrechen will, kann in Niederbayern in den meisten Fällen nicht einfach in ein Krankenhaus gehen. Es gibt keine einzige Klinik, die Schwangerschaften nach der Beratungsregel, also ohne medizinische Notwendigkeit und nicht infolge einer Vergewaltigung, beendet. Nicht nur die kirchlichen und privaten Krankenhäuser lehnen das ab, auch die öffentlichen. Dabei werden in Deutschland mehr als 95 Prozent aller Schwangerschaftsabbrüche nach der Beratungsregel durchgeführt. In der Vergangenheit stellte Erika Träger zwei Anträge im Stadtrat, um das am städtischen Klinikum in Passau zu ermöglichen – ohne Erfolg.