Der britische Thronfolger Prinz Charles hat in Vertretung für Königin Elizabeth II. erstmals das Parlament in London eröffnet. Mit dem Verlesen der sogenannten Queen's Speech wird traditionell eine neue Sitzungsperiode von Unter- und Oberhaus eingeläutet. Die Zeremonie zählt zu den wichtigsten konstitutionellen Aufgaben der britischen Monarchie.

Die 96 Jahre alte Königin hatte zuvor wegen gesundheitlicher Probleme kurzfristig absagen müssen – offiziell aus "Mobilitätsgründen". Die Parlamentseröffnung verpasste die Queen in ihrer 70 Jahre währenden Regentschaft bislang nur zweimal. Grund dafür war damals jeweils eine Schwangerschaft. Experten für die Royals nannten die Eröffnung durch Charles in der Zeitung The Sun einen historischen Moment.

Begleitet von Camilla und William

Das Verlesen der Regierungserklärung durch Monarchen ist nur ein symbolischer Akt in Großbritannien. Offiziell ist die Königsfamilie politisch neutral. Charles mied in der neun Minuten dauernden Rede die übliche Formulierung "meine Regierung" und sprach stattdessen von "der Regierung Ihrer Majestät".

Begleitet wurde der 73-jährige Prince of Wales, der eine Admiralsuniform trug, von seiner Frau, Herzogin Camilla, und seinem ältesten Sohn, Prinz William. Dabei saß Charles nicht auf dem Thron der Queen, sondern auf dem Thron des Prinzgemahls. Dieser ist einen Zentimeter niedriger.

Johnson will konservative Wähler ansprechen

Zum State Opening of Parliament versammeln sich die Mitglieder beider Kammern des Parlaments, Abgeordnete und Lords sowie Würdenträger, Diplomatinnen und Gäste im Oberhaus.

Nach der Partygate-Affäre und wenige Tage nach den Niederlagen der Tories bei den Kommunalwahlen richtete sich das Regierungsprogramm von Premierminister Boris Johnson in erster Linie an die konservative Wählerschaft. In der Erklärung ging es unter anderem darum, die Wirtschaft anzukurbeln und damit die Folgen steigender Lebenshaltungskosten abzufedern. Auch der Abbau der Bürokratie als Folge des Brexits sowie die schnellere Ausweisung kriminell gewordener Ausländer ist demnach geplant.