Der Schriftsteller Torsten Schulz und die Linguistin Luise Pusch im Studio von "Warum denken Sie das?" in Berlin © Jacobia Dahm für ZEIT ONLINE

In der dritten Folge unseres Podcasts Warum denken Sie das? geht es um eine der emotionalsten und am heftigsten diskutierten Fragen unserer Zeit – das Gendern. Ist die deutsche Sprache sexistisch und frauenfeindlich? Und sollten wir unser Sprechen und Schreiben deshalb verändern und geschlechtergerechte Sprache verwenden? 

Wie immer treffen zwei Menschen aufeinander, die in dieser Frage ganz unterschiedlich denken – und die kaum noch verstehen können, wie die andere Seite zu ihren Überzeugungen gelangt ist. 

Die feministische Linguistin Luise Pusch streitet bereits seit Ende der Siebzigerjahre für eine geschlechtergerechte Sprache. Sie sagt, im Deutschen würden die Frauen systematisch "zum Verschwinden gebracht". Pusch gilt als Erfinderin der "Genderpause", der Art des Genderns, bei der man eine kleine Pause bei der Aussprache des Genderzeichens macht. Sie begrüßt, dass an Universitäten und in Redaktionen immer öfter gendergerechte Sprache verwendet wird. 

Der Schriftsteller Torsten Schulz sieht das anders. Schulz wuchs in der DDR auf und ist heute Schriftsteller, Drehbuchautor und Hochschullehrer. Das Gendern empfindet er als Eingriff in seine persönliche Freiheit, vor allem dann, wenn es ihm aufoktroyiert wird. Er kritisiert, dass viele Varianten des Genderns den Fokus zu stark auf das Geschlecht legten, obwohl der Mensch durch vielfältige Merkmale geprägt sei, etwa durch sein Alter oder seine soziale Herkunft. Schulz gehört zu den Erstunterzeichnern eines Aufrufs des Vereins Deutsche Sprache aus dem Jahr 2019: "Schluss mit dem Gender-Unfug!"

Während Luise Pusch als lesbische Frau in der Frauenbewegung Anerkennung fand, bewegte Schulz als junger Mann in der DDR das Fehlen von Freiheit und das Obrigkeitsdenken. Beide sind vor der Begegnung sehr von ihren Ansichten überzeugt. Im Gespräch zeigt sich, wie unvereinbar manche Ansichten in der Genderdiskussion sind. Dennoch finden beide auch Dinge, die sie miteinander verbinden.

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