Ein Wort, fünf Buchstaben, sechs Versuche: Das ist das Spielprinzip von Wordle, dem Onlineworträtsel, das die Welt in den vergangenen zwei Wochen im Sturm erobert hat. Inzwischen rätseln jeden Tag Millionen Menschen mit und teilen ihre Erfolge in den sozialen Netzwerken. Erschaffen hat das Spiel der US-amerikanische Softwareentwickler Josh Wardle (daher der Name) für seine Partnerin, weil diese in der Pandemie ihr Faible für Worträtsel entdeckt hat. "Wordle ist eine Liebesgeschichte", schrieb die New York Times.

Dass aus dem kurzweiligen Onlinespiel ein weltweites Phänomen werden würde, konnte Wardle natürlich nicht ahnen, als er Wordle ursprünglich für seine Freunde und Familie veröffentlichte. Folglich war er wohl auch nicht darauf vorbereitet, wie schnell Copycats, Nachahmer, seine Idee kopieren würden, um aus dem Wordle-Fieber Profit zu schlagen.

In dieser Woche tauchten Dutzende Apps in den App Stores von Apple und Google auf, die Wordle im Titel trugen und offensichtlich eine Kopie waren. Wordle gibt es nämlich nicht als Smartphone-App; das Spiel ist einzig über die Website und den Browser spielbar. Diesen Umstand wollen Dritte ausnutzen. Denn viele Menschen, die von Wordle hören, suchen möglicherweise zuerst in den App Stores danach und merken vielleicht gar nicht, dass es sich nicht um das Original handelt. Wer am schnellsten und besten klont, hat dabei die besten Chancen, vom Hype zu profitieren.

Klone sind vor allem bei Games seit jeher ein bekanntes Phänomen in den App Stores. 2013 etwa sorgte der Hype um das Spiel Flappy Bird für zahlreiche Klone, ein Jahr später war es das Rätselspiel 2048, das die Copycats auf den Plan rief. Auch weltweit bekannte Games wie Candy Crush wurden in der Vergangenheit immer wieder kopiert. Doch während sich große Firmen wie Activision Blizzard, der Mutterkonzern hinter Candy Crush, besser dagegen wehren können, wären manche Spieleentwicklerinnen und Spielentwickler durch dreiste App-Store-Kopien fast ruiniert worden. Apple untersagt zwar das Kopieren von Inhalten, doch immer wieder schaffen es Klone dennoch in den App Store. Mit etwas Glück kommen sie sogar auf mehr Abrufe als das Original, das es dann wiederum schwer hat, im Ranking zu klettern.

"Wordle"-Klone fliegen aus dem App Store

Im Fall von Wordle war ein Entwickler namens Zachary Shakked auf dem besten Wege, einen Hit im App Store zu landen. Er veröffentlichte in der vergangenen Woche eine App, die Wordle hieß und fast genauso aussah wie die Version von James Wardle. Der einzige Unterschied bestand darin, dass auch längere Wörter gelöst werden konnten – und dass es eine "Premium"-Version für 29,99 US-Dollar pro Monat gab, die unbeschränktes Spielen ermöglichte. Auf Twitter schrieb der Entwickler, dass die App in kürzester Zeit rund 12.000-mal heruntergeladen worden und bereits in die Top 30 der Rätselspiele im App Store aufgestiegen sei.

Inzwischen wurde sie, wie zahlreiche andere Klone, von Apple wieder gelöscht. Zum Unmut von Shakked, der sich zwar als Opfer sieht, aber auch Fehler zugibt. Dass seine App optisch dem Original-Wordle ähnelte, sei etwa der Tatsache geschuldet, dass er sie an einem Wochenende programmiert habe. Zudem habe er mit Wardle telefoniert und ihm angeboten, Wordle für eine iPhone-App zu lizenzieren, was dieser aber abgelehnt habe. Und überhaupt sei der Begriff Wordle nicht urheberrechtlich geschützt beziehungsweise als Markenzeichen eingetragen, weshalb es prinzipiell nicht verwerflich sei, ihn für eigene Apps zu nutzen, argumentiert er.

Tatsächlich gibt es in den App Stores noch einige ältere Spiele namens Wordle, die allerdings ein anderes Spielprinzip haben. Wie die Technikwebsite Ars Technica herausfand, beantragte jemand unter dem Namen Monkey Labs Inc. erst am 7. Januar das Markenzeichen für Wordle bei der entsprechenden US-Behörde, und zwar für "Software für Worträtselspiele". Dabei handelt es sich aber offenbar nicht um James Wardle. Denn der möchte, nach eigenen Angaben, gar nicht allzu viel Zeit in das Projekt stecken oder es groß vermarkten.