Das in der Kritik stehende Onlineunternehmen Facebook verschärft seine Richtlinien im Kampf gegen Onlinemobbing. So sollen besonders gefährdete Nutzer wie Opfer von Gewalt oder Regierungskritikerinnen vor "Massenmobbing und Einschüchterung" durch ein koordiniertes Vorgehen anderer Nutzer geschützt werden, wie das soziale Netzwerk mitteilte. Ein solches koordiniertes Vorgehen soll auch dann unterbunden werden, wenn die Inhalte an sich nicht gegen die Facebook-Richtlinien verstoßen.

Der Konzern will auch den Schutz von bekannten Nutzerinnen und Nutzern wie Politikerinnen und Politikern, Prominenten und Kunstschaffenden verbessern. So sollen Inhalte mit "erniedrigenden oder sexualisierten Attacken" gelöscht werden. Das umfasst unter anderem mit Programmen wie Photoshop bearbeitete Fotos mit einer sexuellen Botschaft oder abschätzige Bemerkungen über das Äußere.

Der Schutz soll auch für jene gelten, die nicht willentlich zu Bekanntheit gekommen sind, etwa Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten oder Journalistinnen und Journalisten, wie Facebook mitteilte. In solchen Fällen seien von Mobbing häufig Frauen, PoC und Mitglieder der queeren Gemeinschaft betroffen.

Facebook nach Enthüllungen unter Zugzwang

Facebook ist in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen worden, nicht ausreichend gegen die Verbreitung von Hassbotschaften und Mobbing auf seinen Plattformen vorzugehen. Zuletzt sorgten Enthüllungen der Whistleblowerin und früheren Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen für Aufsehen. Haugen wirft ihrem Ex-Arbeitgeber vor, eigene Gewinne über die Sicherheit seiner Nutzer und das Gemeinwohl zu stellen. Facebook hat die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen.

Frances Haugen - Facebook-Whistleblowerin sagt vor US-Kongress aus Die Ex-Facebook-Mitarbeiterin Haugen hat vor einem Ausschuss des US-Senats ausgesagt. Facebook verberge wichtige Informationen vor der Öffentlichkeit, kritisierte sie. © Foto: Jabin Botsford/picture alliance/dpa/Pool Getty Images North America

Allerdings hat der Konzern im Zuge der Enthüllungen auch neue Funktionen vorgestellt, mit denen Kinder und Jugendliche besser geschützt werden sollen. In einer Talkshow präsentierte Facebooks Vizepräsident für globale Angelegenheiten, Nick Clegg, dazu zwei neue Features. Bei Instagram sollen Heranwachsende dazu angehalten werden, eine Pause einzulegen. Zudem sollten sie darauf hingewiesen werden, wenn sie sich öfter die gleichen Inhalte, die nicht als angemessen eingestuft wurden, anschauen.

Mehrere Politiker hatten sich nach den Aussagen Haugens für strengere Regeln für Facebook ausgesprochen. Die Enthüllungen belegten, "wie dringend wir in Europa eine starke und wirkungsvolle Regulierung sozialer Netzwerke brauchen", sagte etwa Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.