Niemand verlässt leichtfertig einen sicheren Job. Wer kündigt, hat darüber viel nachgedacht. Verbaute Aufstiegschancen, Mobbing, Stress, dauernde Über- oder Unterforderung: All das kann sich über Monate, manchmal Jahre aufstauen, bis feststeht: Jetzt reicht es. Es geht nicht mehr. Die Arbeit macht einen fertig. 

Wir haben Leserinnen und Leser gebeten, uns die Geschichte ihrer Kündigung zu erzählen. Fast 400 Menschen haben uns geschrieben. Manche, wie der 29-jährige Tom, bezeichnen die Entscheidung als die beste ihres Lebens. Nach seiner Kündigung wanderte er nach Georgien aus und machte sich selbstständig. Andere haben Angst vor einer ungewissen Zukunft, vor Arbeitslosigkeit. Manche berichten von Schuldgefühlen gegenüber dem Unternehmen, den Kolleginnen oder – wie im Fall einer Psychologin – den Patienten.

Die meisten Leserinnen und Leser aber berichten von einem Gefühl der Befreiung, vom glücklichen Ende eines langen Ringens mit sich selbst. "Als ich meine Arbeit übergeben hatte, war ich erleichtert wie noch nie", schreibt eine ehemalige Marketingmitarbeiterin, die heute mit Menschen mit Behinderungen arbeitet.

Aus den Einsendungen haben wir 30 ausgewählt. Sie sind nicht repräsentativ, bilden aber die Vielfalt der Gründe für eine so existentielle Entscheidung ab. Klicken Sie auf ein Zitat, um die jeweilige Geschichte hinter der Kündigung zu lesen: Was die Menschen dazu getrieben hat, wie sie den letzten Tag im Büro erlebt haben und was sie für den folgenden Job gelernt haben.

Auswahl anpassen
Weniger zeigen
Fünf Jahre sah ich zu, wie Kolleginnen gingen.
 › 
Andrea, Baden-Württemberg
Die Chefin bezichtigte mich nach der Kündigung des Verrats.
 › 
Lina, 27, Hessen
Als Einzige bekam ich kein Weihnachtsgeld.
 › 
Elena, 34, Rhein-Neckar-Region
Auf allen Ebenen war nur noch Erschöpfung.
 › 
Anonyme Leserin, 56, Franken
Ich wollte gehen und mit Abfindung geht es sich leichter.
 › 
Anonymer Leser, 61
Mein Vorgesetzter hat mich sexuell belästigt.
 › 
Brigitte, 47, Rosenheim
Jetzt verschwende ich keine Lebenszeit mehr im Stau.
 › 
Dietmar, 51, Schwäbisch Hall
Ich hatte innerlich mit dem alten Job abgeschlossen.
 › 
Anonyme Leserin, 31, Hamburg
Das Zeugnis habe ich mir gespart.
 › 
Andrea, 35, Bayern
Mein Arbeitgeber schlug vor, dass ich unbezahlt zu Hause bleibe.
 › 
Frida, 37, Dresden
Ich tat mich schwer, die Standpunkte des Konzerns zu vertreten.
 › 
Tom, 29, Georgien
Die Krebserkrankung meines Bruders hat den Ausschlag gegeben.
 › 
Marc, 35, Ravensburg
Die Anstrengungen haben sich gelohnt.
 › 
Anonyme Leserin, 43, Fulda
Ich hatte ein breites Grinsen im Gesicht.
 › 
Anonyme Leserin, 35, Groß-Gerau
Ich hatte Schuldgefühle.
 › 
Anonyme Leserin, 32
Meine Vorgesetzten zeigten Verständnis für meine Entscheidung, aber sie behandeln mich seitdem seltsam.
 › 
Anonyme Leserin, 31, Baden-Württemberg
Wochenlang habe ich mich gezwungen, zur Arbeit zu gehen.
 › 
Anonyme Leserin, 48, Dortmund
Mir kam es so vor, als würde ich eine Beziehung beenden.
 › 
Anonyme Leserin, 28, Hessen
Ich merkte, dass ich wie ein Esel einer Karotte hinterherlief.
 › 
Anonyme Leserin, 41
Ich holte die vorbereitete Kündigung aus meiner Tasche.
 › 
Julia, 30, Oberbayern
Ich möchte nie wieder ins Marketing zurück.
 › 
Anonyme Leserin, 43, Nordrhein-Westfalen
Viele Kollegen waren neidisch, dass ich gekündigt hatte.
 › 
Katharina, 34, Freiburg
Im Urlaub war keine Erholung möglich, da war nur Angst.
 › 
Silvia, 35, Mannheim
Ich wundere mich heute, dass ich fünf Jahre geblieben bin.
 › 
Anonyme Leserin, 55, Bochum
Ich bin aufgestiegen – und knallte gegen die gläserne Decke.
 › 
Melanie, 44, Karlsruhe
Die Kündigung war eine Notbremse.
 › 
Alina, 32, Chemnitz
Mein Chef bezeichnete die Kündigung als hysterische Überreaktion.
 › 
Anonyme Leserin, 43, Bayern
Ich bin sehr froh, der Fratze des Kapitalismus den Rücken gekehrt zu haben.
 › 
Anonymer Leser, 58, Garmisch-Partenkirchen
Ich werde nie wieder so viel Geld verdienen.
 › 
Anonyme Leserin, 57, Baden-Württemberg
Meine Arbeitgeber waren Corona-Leugner.
 › 
Anonyme Leserin, 52, Freiburg