Zum ersten Mal seit Jahren nahm Andreas Franz ein Arzneimittel zu sich, als er sich am 19. Juli 2021 mit dem Covid-19-Impfstoff von BioNTech impfen ließ. Rund fünfzig Menschen trainierte er damals in Taekwondo, stundenlang zeigte er ihnen die traditionellen Fuß- und Faustübungen, täglich fuhr er mit dem Fahrrad 20 Kilometer zur Arbeit in einem Möbelhaus. Wegen seines muskulösen Körpers und der straffen Haltung hätten ihn viele Menschen für jünger als 52 Jahre gehalten, erzählt er heute.

Mit der Vakzine, die er anfangs herbeigesehnt hatte, begann ein Martyrium, sagt Franz. Schon am Tag nach der Spritze habe er sich nur mühsam auf dem Fahrrad halten können. Beim Taekwondo fühlte er sich schwach. Am 24. Juli, fünf Tage nach der Spritze, radelte er abends in seine Stammkneipe, wo seine Freundin und Bekannte auf ihn warteten. Als er die Speisekarte in der Hand hielt, sank sein Kopf auf die Tischplatte, der Körper verkrampfte, Schaum bildete sich vor seinem Mund, er atmete nicht mehr. So erzählte es ihm später seine Freundin. Zwei anwesende Gäste machten minutenlang eine Herzdruckmassage, Franz lief blau an, bis die herbeigerufenen Rettungssanitäter ihn im Einsatzwagen mit Elektrostößen wiederbelebten. Fünf Tage habe er im künstlichen Koma gelegen, sei intubiert worden, habe eine Lungenentzündung bekommen, erzählt Franz. Als er erwachte, konnte er Arme und Beine nicht fühlen, sie kaum noch bewegen. Noch heute ist Franz, wie er sagt, "ein körperliches und psychisches Wrack".