Wir hingen da so rum, in den tiefen, alten Plüschsesseln in der alten Villa am Majakowskiring in Pankow, im Nordosten Berlins, wo früher die SED-Größen gelebt hatten. Herbst 1997, ein halbwegs neuer Literaturwettbewerb, "open mike", also: "offenes Mikrofon", das klang so ein bisschen wie: Hier kann jeder lesen, der was zu lesen hat. In den Jahren zuvor hatten hier zum Beispiel Julia Franck und Karen Duve gewonnen. Zu Ruhm hatte das aber nicht gleich geführt.

Wir saßen also gelangweilt-gespannt in den tiefen Sesseln, Beck’s am Nachmittag, Lesungs-Trance, vielleicht geschieht ja irgendwas, vielleicht auch nicht. Und dann geschah: Terézia Mora. "Großvater ist tot", das war ihr erster Satz, den sie hier las, und es war, als hätte man diesen Satz noch nie zuvor gehört, so wie sie ihn las, solch eine Intensität lag darin und etwas wie ein Staunen über ihre eigene Stimme, jetzt vor all den fremden, laschen Leuten hier.