Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende Ausgabe 22/2022.

Read the English version of this article here.

An einem freundlichen Frühlingstag dieses Jahres wartet eine 28-jährige Studentin an einer Straßenkreuzung in Cambridge, um während eines Spaziergangs eine Geschichte zu erzählen, die so gespenstisch klingt, dass man sie zunächst nicht glauben mag. Doch diese Geschichte ist wahr, sie lässt sich durch Dokumente und Zeugenaussagen belegen. Es ist die Geschichte ihres Vaters. Sie spielt in England, Schweden, Thailand, China, Hongkong, Deutschland, an vielen Orten der Welt, und sie handelt von einem Buchverleger, einem feinsinnigen Menschen, der Gedichte schreibt. Gui Minhai heißt dieser Mann, er ist 58, wurde zwar in China geboren, ist aber seit 30 Jahren Schwede, er hat einen schwedischen Pass. Seine Tochter hat ihn zuletzt im Dezember 2014 persönlich gesehen. Ihr Vater wurde von Geheimagenten entführt, nach China verschleppt, wahrscheinlich gefoltert.