Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende Nr. 20/2022. Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe.

Alle zwei Jahre bekommt Herr Mangelsdorf Besuch von einer neugierigen Frau. Sie fragt nach seinem Vermögen und der Zahl seiner Arztbesuche. Sie notiert die Größe seines Freundeskreises und die Qualität seines Schlafes. Mangelsdorf soll sagen, ob er Angst vor Demenz hat, wie viel Alkohol er trinkt und welchen Schulabschluss er für seine Kinder erhofft. Mangelsdorf antwortet auf jede Frage.

Manchmal gibt die Besucherin Mangelsdorf auch kleine Rätsel auf ("Ein Tennisschläger und ein Ball kosten zusammen 110 Euro. Wenn der Schläger 100 Euro mehr als der Ball kostet, wie teuer ist der Ball?"). Oder sie bringt ein Gerät mit, das die Stärke seines Händedrucks misst. Am Ende des Besuchs fühle er sich oft "ziemlich gut", sagt der 46-Jährige, weil er auf die Frage nach der Lebenszufriedenheit stets einen Höchstwert geben könne – neun oder zehn.