Sänger wollte Florian Boesch eigentlich zuallerletzt werden. Die familiäre Vorbelastung, das Tamtam um die Stimme, die Reiserei und – für ihn wohl am gravierendsten – die Mauern der Tradition, gegen die man als einigermaßen wacher rebellischer Geist auf den Podien dieser Welt nach wie vor anrennen muss. Und dann ist er es doch geworden, Sänger, Stimmlage Bassbariton, Lieder- und Konzertsänger vor allem. Warum? "Das Singen war einfach zu mächtig", antwortet Boesch nach einer kurzen Pause. "In Wien würden wir sagen: Dös hob i mir ei’tret’n." Auf Hochdeutsch: Das habe ich mir eingetreten (wie einen Nagel). Später zitiert er Nikolaus Harnoncourt, den Dirigenten und Mit-Erfinder der historisch informierten Aufführungspraxis, der von der "Mächtigkeit des klingenden Wortes" sprach. Denn ums Wort gehe es doch beim Singen, im Gesang, sagt Boesch, um den Inhalt, nie um die Musik allein. Die Arbeit mit Harnoncourt hat ihn geprägt.