Das brennende Theater und lange Schlangen vor einem Supermarkt in Mariupol, Leichen auf offener Straße in Butscha – viele der Bilder aus den Kriegsgebieten in der Ukraine stammen aus dem All. "Diese Satellitenbilder entlarven Putins Lüge", heißt es in Zeitungsüberschriften oder "US-Satellitenbilder zeigen Leichen". Doch bei allem Wunsch nach unabhängigen Belegen für Kriegsverbrechen: Ein Satellitenbild allein entlarvt noch keine Lüge, zeigt keine Leiche und dokumentiert keinen Ansturm auf die letzten Lebensmittel.

Bilder sind schon lange ein zweiter Kriegsschauplatz: Einst waren es Schlachtengemälde, seit dem Deutsch-Französischen Krieg im Jahr 1870 Fotos, Filme folgten im Ersten Weltkrieg und Satellitenbilder spätestens im Bosnien-Krieg. Im August 1995 präsentierte die damalige US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright, Luftaufnahmen und ein Satellitenbild der Umgebung von Srebrenica als Beleg für "mögliche Massengräber". Während ein Gemälde ganz offensichtlich die Fantasie des Malers spiegelt und Fotos oder Filme schon durch die Auswahl eines Ausschnitts Einzelheiten hervorheben oder ausblenden, erscheinen Bilder aus dem Orbit als objektive Darstellung. Das ist gleich aus mehreren Gründen ein Missverständnis.