Signy-l’Abbaye ist ein kleiner Ort in den französischen Ardennen, 1300 Einwohner leben hier, ganz im Nordosten des Landes. Es gibt einen Kindergarten, eine Grundschule, einen kleinen Supermarkt, zwei Kneipen. In der Mitte des Ortes ragt ein neugotischer Kirchturm in den wintergrauen Himmel. Viele Fensterläden sind verschlossen, manche Häuser stehen leer, bald eröffnet ein Tierarzt eine neue Praxis. Orte wie diesen gibt es viele in Frankreich; wenig Glanz, Paris ist weit weg. Valérie Pécresse trägt einen khakifarbenen Parka über dem dunkelblauen Hosenanzug, als sie an einem nasskalten Februartag in Signy-l’Abbaye aus dem Auto steigt. Die Frage nach der passenden Kleidung hat sie schon früher für sich beantwortet: "Ich führe alle meine Wahlkämpfe im Hosenanzug, weil eine Politikerin sich keine Strumpfhosen erlauben kann und nicht ernst genommen wird, wenn man auf einem Podium nur auf ihre Beine schaut."