Offensichtlich geht Orientierung verloren, wenn altbekannte Konfliktlinien durcheinandergeraten und sich traditionelle Gewissheiten verflüssigen. In der vorigen Ausgabe der ZEIT war Hanno Rauterberg beunruhigt, weil er solche Verschiebungen im Verhältnis von Politik und Kunst ausmacht. Anlass ist die Anregung von Simone Buchholz, Mithu Sanyal und Dmitrij Kapitelman, nach kanadischem Vorbild eine Parlamentspoetin im Bundestag zu etablieren. Rauterberg wittert einen Verzicht der Kunst auf ihre kritische Rolle und fürchtet, dass eine selbst machtkritische Politik der Kunst bloß noch eine dienende Rolle überlasse.