Über den Urknall der Moderne und seine Datierung gehen die Meinungen bekanntlich auseinander. Unzweifelhaft ist jedoch, dass Mitte des 19. Jahrhunderts in Frankreich fast gleichzeitig zwei literarische Bomben hochgingen und eine Sprengwirkung entfalteten, die noch heute zu besichtigen ist: 1856 erschien Gustave Flauberts Roman Madame Bovary, 1857 Charles Baudelaires Gedichtband Les Fleurs du Mal. Beide Werke wurden umgehend Gegenstand von Prozessen wegen Verstoßes gegen die Sittlichkeit, beide Autoren hatten die Provokation gesucht, wenngleich sie vor dem Zensurverlangen der Gesellschaft zitterten. Sie waren nicht befreundet, aber Generationsgenossen, die sich hoch schätzten; sie teilten nicht nur das Geburtsjahr 1821, sondern auch, zufälliges Detail, zeitweilig eine Geliebte – gewiss ohne es zu ahnen: Aglaé Sabatier, genannt Apollonie, die Mätresse eines schwerreichen Belgiers, unterhielt einen der zahlreichen Salons, in denen die Pariser Intellektuellen fast zwangsläufig verkehrten.