Der Niedergang des Christentums ließe sich kurz und böse so erzählen: Im 4. Jahrhundert lebte ein hochbegabter junger Mann, der sich für alles Mögliche interessierte, vor allem aber für Frauen. Doch mit der Zeit erfüllte Unruhe sein Herz, er empfand Überdruss an seinem ziellosen Treiben. Und plötzlich hatte er ein Erweckungserlebnis – klar stand ihm vor Augen: Ich muss dem Teufel der Leidenschaft widerstehen und in der Wahrheit Gottes leben. Und siehe da, "alsbald kam das Licht des Friedens über mein Herz und die Nacht des Zweifels entfloh". Augustinus hieß der Mann, er lebte von 354 bis 430 nach Christus, er war ein theologischer Gigant und wurde der größte aller Kirchenväter. Seine lustfeindliche Theologie war der Fels, auf dem der Katholizismus die Kathedrale seiner Dogmen errichtete.