Die Produktion elektronischer Geräte kostet viel Energie und benötigt viele problematische Rohstoffe. Deshalb sind für die Umwelt die besten Handys oder die besten Laptops jene, die möglichst lange halten. Zickt die Elektronik doch einmal oder ist der Bildschirm defekt, sollte sich das gute Stück einfach und kostengünstig reparieren lassen. Defekte Teile tauschen – fertig. Genau dies versprach Apple in der vergangenen Woche für die beiden aktuellen Handys iPhone 12 und 13 und die neuen M1-Mac-Computer: "Zugang zu Originalteilen und Werkzeugen von Apple".

Die Produkte des Technikkonzerns gelten als "verschlossen" und wartungsresistent. Wer eine Reparatur benötigt, muss für Originalersatzteile ein Apple-Geschäft oder eine zertifizierte Werkstatt aufsuchen. Dort kann der Austausch klemmender Tastaturen oder zersprungener Displays Hunderte Euro kosten, denn die Techniker wechseln nicht defekte Elemente, sie tauschen ganze Baugruppen aus. Für Apple ist das einfach, für den Kunden teuer.

Nun gibt es schon lange unabhängige Dienstleister, die nichts unversucht lassen, iPhones und Laptops kostengünstig zu reparieren. Sie fahnden im Internet nach Ersatzteilen, schlachten für Bauteile alte Rechner aus und löten waghalsige Stromumleitungen auf die gestörten Platinen. Einer der berühmtesten Reparateure ist der New Yorker Louis Rossmann. Regelmäßig veröffentlicht er seine Rettungsaktionen auf YouTube. Rossmann geht es aber um mehr als die Rettung einzelner Geräte. Seit Jahren kämpft er für das Recht auf Selbstreparatur, etwa für den Zugang zu Ersatzteilen direkt vom Hersteller.

Im Juli hat der amerikanische Präsident Joe Biden ein Dekret unterzeichnet, das den Wettbewerb unter amerikanischen Unternehmen fördern soll. Die US-Regierung will unter anderem die Reparaturmonopole von Tech-Unternehmen brechen und die Rechte von Kunden und unabhängigen Werkstätten stärken. Apples aktuelle Ankündigung folgt also nicht nur einem plötzlich erwachten Mitgefühl für frustrierte Kunden, der Konzern reagiert auf den wachsenden Druck der Regierung.

Louis Rossmann müsste triumphieren. Der Reparatur-Guru aber lehnt sich auf YouTube in seinem extrabreiten Sessel zurück und berichtet, schon Anfang des Jahres habe Apple einfachere Reparaturen für Laptops versprochen – und das Versprechen nur bedingt gehalten. Wer eine klemmende Tastatur ersetzen wolle, müsse noch immer die gesamte, teure Bedienoberfläche des Laptops tauschen. Es bleibe abzuwarten, sagt Rossmann, wie nutzerfreundlich der neue Ersatzteilservice von Apple sein wird.

Zweifelhaft ist, wie viele Kunden die neue Offenheit überhaupt nutzen werden. Wie viele also ihr defektes Handy tatsächlich reparieren lassen möchten, wenn schon ein neues, besseres lockt.