Ein kleiner Raum im Robert Koch-Institut in Berlin, fünf Ultratiefkühlschränke, minus 80 Grad Celsius. Hier lagern sie, die Proben, die helfen sollen, die nächste Pandemie zu verhindern: Kot, Urin, Blut und Gewebe. Fabian Leendertz, 48, ein Mann in Wollpullover und Wanderschuhen, mit leicht zerzaustem Haar und Schatten unter den Augen, wirft die schwere Tür des Kühlschranks zu und verschließt sie mit einem Hebel.

Es ist Anfang Februar. Eigentlich sollte er gar nicht hier sein, sondern in Wuhan und das tun, was er seit Jahrzehnten tut: nach neuartigen Krankheitserregern fahnden. Er gehört zu der Gruppe aus zehn Expertinnen und Experten, die im Auftrag der WHO den Ursprung der Pandemie erforscht und dafür zu Beginn des Jahres nach China reiste. Das Team soll herausfinden, wie das Virus in die Welt kam, ob es von einem Tier auf den Menschen übersprang oder doch aus einem Labor entwichen sein könnte.