Jochen Bittner: Lieber Matthias, lieber Ulrich, wir drei waren nacheinander Europa-Korrespondenten der ZEIT. Matthias folgte 2011 auf mich, und seit 2016 beobachtet Ulrich das Brüsseler Geschehen. In Redaktionskonferenzen fällt auf, dass ihr zwei – Matthias nun als europapolitischer Koordinator in Hamburg – sehr unterschiedlich auf die EU blickt.

Ulrich Ladurner: Ja. Die EU ist mir zu pompös, manchmal gar zu großmäulig. Sie formuliert hehre Ansprüche, um immer wieder an ihnen zu scheitern, und lernt wenig daraus.

Matthias Krupa: Pompös kommt mir oft vor allem die Kritik an der EU vor. Das gilt nicht nur für ihre Gegner, die sowieso alles an der EU schlecht finden. Es gilt auch für Leute, die vorgeben, besonders glühende Europäer zu sein – und die EU ständig scheitern sehen. Etwas weniger Apokalypse, etwas mehr Realismus: Damit wäre der EU schon sehr geholfen.