Die Bibel. Ich will es nicht wahrhaben – aber es ist so. Die klügsten Kolleginnen und Kollegen, versiert in allen Fragen des Abendlandes und seiner Provinzialisierung, kommen ohne diese Lektüre aus. Ich weiß um die Verzichtbarkeit des Buchs, denn ich habe es studiert. – Allerdings: Sollte man die Luther-Bibel nicht vielleicht doch gelesen haben? Zum einen, weil Bach oder Hölderlin so eng damit verbunden sind (und die Spuren der Misogynie bis ins 1. Buch Mose reichen), aber auch einfach deshalb, weil Luthers klare Sprache die altmodische Frage nach der Wahrheit ganz neu aufwirft?
Hedwig Richter, 47, ist Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität der Bundeswehr München