Kurz vor Mitternacht, in der Suite eines Stockholmer Luxushotels, packt Olof Gustafsson heiße Ware aus. Er holt zwei rechteckige Schachteln aus einer Tüte und stellt sie auf den Besprechungstisch. Jede ist so groß wie eine Zigarrenkiste und mit einem Schild aus goldfarbenem Blech beklebt, zwei Buchstaben sind dort eingestanzt: "PE". Es sind die Initialen von Pablo Escobar, dem bekanntesten Drogenboss der Welt.

Der kolumbianische Kokainkönig ist zwar schon lange tot, er wurde 1993 auf der Flucht von der Polizei erschossen. Aber der 26-jährige Gustafsson fungiert seit 2014 als eine Art Nachlassverwalter. Der gebürtige Schwede ist CEO von Escobar Inc., einer Holdinggesellschaft mit Sitz in Medellín im Nordwesten Kolumbiens, die Pablos älterer Bruder und früherer Buchhalter Roberto Escobar in den Achtzigerjahren mal gegründet hatte. Ursprünglich war die Firma fürs Drogengeschäft des Kartellchefs zuständig, später für geschäftliche Familienangelegenheiten. Heute sind die verschiedenen Firmenzwecke nicht so ganz klar. Gustafsson ist wortkarg, wenn es um das Thema geht, und der Patriarch Roberto Escobar ist mittlerweile 73 Jahre alt, er kümmert sich wenig ums Tagesgeschäft.