Das letzte Mal, als das Volk nicht derselben Meinung war wie seine Volksvertreter, und zwar in einer Staatsangelegenheit, hat das Volk sich durchgesetzt – aber die Demokratie brach nicht zusammen. Die Bürger protestierten, und die Parlamentarier hatten ein Einsehen. Das war im Herbst 1990, kurz vor der Wiedervereinigung. Beide deutschen Regierungen wollten die Stasiakten schließen, um das Land zu befrieden. Dieser kuriose Plan gehörte zu den wichtigsten Punkten des Einigungsvertrages. Dass er gestrichen und das hässliche Erbe der Diktatur nicht im Keller versteckt wurde, verdanken wir den Bürgerrechtlern. Sie besetzten die Archive der DDR-Staatssicherheit. Sie erkämpften sich die Zustimmung der Bevölkerung und ertrotzten den offenen Zugang zur Wahrheit. Ihretwegen bekamen wir ein historisch einmaliges Gesetz, das die kriminellen Praktiken des Geheimdienstes offenlegte. War das nun undemokratisch?