Hedgefonds fallen über Firmen her, saugen sie aus und ziehen weiter

Es war im April 2005, als der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering via Bild am Sonntag über Finanzinvestoren herzog. "Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter", sagte er in dem legendären Interview. Das Erstaunliche dabei: Müntefering erwähnte Hedgefonds mit keiner Silbe. Trotzdem meinen viele Menschen seitdem zu wissen, dass es nur Hedgefonds sein können, von denen Übles ausgeht. "Hedgefonds werden oft und fälschlicherweise mit Private-Equity-Gesellschaften gleichgesetzt", sagt Markus Sievers, geschäftsführender Gesellschafter des Finanzdienstleisters Apano Investments. Denn während Private-Equity-Fonds tatsächlich das Ziel verfolgen, sich an einem Unternehmen zu beteiligen und bei der Restrukturierung ein gewichtiges Wort mitzureden, nutzen Hedgefonds in der Regel Reformen in den Unternehmen passiv aus. "Die sogenannten Aktivisten sind eine Randerscheinung der Hedgefonds-Strategie ›Event Driven‹", sagt Markus Sievers und bezieht sich dabei auf eine Anlagestrategie, die sich lediglich auf Unternehmen konzentriert, die vor außergewöhnlichen Ereignissen stehen. Er kritisiert: "Hedgefonds werden in eine Risikoecke gestellt, in die sie einfach nicht gehören."