Der Anruf kam von einem Kinderarzt. Die kleine Patientin, kaum älter als zehn, war schon einige Male bei ihm gewesen und hatte über Bauchschmerzen geklagt. Doch der Doktor hatte nichts finden können – bis er diese Ultraschall-Untersuchung machte. Dragana Seifert, Rechtsmedizinerin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, erinnert sich noch genau an den Fall. Denn das Mädchen war schwanger. Und der Stiefvater plötzlich verschwunden.

Es sind Meldungen wie diese, die die Gerichtsmedizinerin Seifert am Nottelefon regelmäßig entgegennimmt. Nachrichten, die manchmal auch das Vorstellungsvermögen von Kinderärzten sprengen. "Wer denkt denn schon an eine Schwangerschaft?", fragt Seifert. "Darauf kommt keiner, der an das Gute im Menschen glaubt."