Die Schule ist eine Baustelle. Ob Verkürzung der Gymnasialzeit, ob jahrgangsübergreifender Unterricht oder Englisch in der Grundschule: Die Veränderungen sind eng getaktet. Dem Furor des Wandels steht ein krasses Desinteresse an den Resultaten der Reformen gegenüber. Nur selten lässt ein Schulpolitiker systematisch testen, was seine Weisheiten und Weisungen in den Schulen anrichten. Noch seltener tun sich mehrere Landespolitiker zusammen und stellen ihre Ideen im Wettbewerb auf die Probe.

Das Beispiel einer solchen wissenschaftlichen Erfolgskontrolle heißt Förmig. Das Forschungsprogramm soll herausfinden, welche Wirkung die unterschiedlichen Projekte zur Sprachförderung zeitigen, die viele Bundesländer nach Pisa gestartet haben. Nun liegen die ersten ermutigenden Ergebnisse vor. Ob Deutschkurse vor der Einschulung oder zusätzliche Lesestunden in der Ganztagsschule – die meisten Hilfsangebote wirken. Sie heben das Sprachniveau der Schüler, und zwar oft in erheblichem Maße.

Das ist eine gute Nachricht. Sprachdefizite sind das größte Handicap auf dem Weg zum Schulerfolg. Sie sind mitverantwortlich dafür, dass sich in keiner anderen Gruppe so wenige Leistungsfortschritte feststellen lassen wie bei den sogenannten Risikoschülern, unter ihnen viele Migranten und Jungen. Hier zu investieren zahlt sich also aus. In einem zweiten Schritt gilt es nun herauszufinden, welche Deutschkurse am wirkungsvollsten helfen, ob es etwa auf die Förderdauer ankommt oder die Gruppengröße.

Viele Wege ausprobieren, mit Hilfe der Wissenschaft die besten Modelle herausfiltern; diese über Landesgrenzen hinweg in den Alltag möglichst vieler Schulen integrieren. So könnte ein idealer Bildungsföderalismus aussehen. Bei Sinus hat das schon einmal funktioniert. 1998 haben Bund und Länder das Programm zur Verbesserung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts gestartet. Der Erfolg zeigte sich später in verbesserten Pisa-Ergebnissen.

Leider gibt es auch eine schlechte Nachricht. Förmig ist das letzte Programm dieser Art. Seit der Föderalismusreform ist die Schule für den Bund tabu. Nun sollen die Länder derartige Lösungsvergleiche allein organisieren. Bisher ist nicht ersichtlich, dass sie ihrer Verantwortung gerecht werden.