DIE ZEIT: Vor fünf Jahren hat der damalige Berliner Bildungssenator Klaus Böger eine Grundschulstudie bei Ihnen in Auftrag gegeben. Jetzt sind die Ergebnisse da, doch die Bildungsverwaltung will von ihnen nichts mehr wissen. Was ist passiert?

Rainer Lehmann: Die Senatsverwaltung ist nicht glücklich über die Ergebnisse der sogenannten Element-Studie, obwohl sie seit Monaten hätte wissen können, was da auf sie zukommt.

ZEIT: Was haben Sie denn herausgefunden?

Lehmann: Wir haben in Berlin mit der sechsjährigen Grundschule einen Sonderweg, der politisch mit drei Annahmen begründet wird. Erstens: Leistungsstarke Schüler werden durch die Klassen fünf und sechs in ihrer Entwicklung nicht gebremst. Zweitens: Die zwei Extrajahre helfen, soziale Disparitäten abzubauen. Drittens: Der soziale Zusammenhalt in der Schülerschaft und der in Stadt wird gestärkt. Keine der Annahmen ist haltbar.