Saarbrücken

Böse Zungen hängen den Saarländern gern an, sie seien Opportunisten und orientierten sich am Stärkeren – Reflexe einer in Jahrhunderten gewachsenen Mentalität, die durch wechselnde Herrschaften geprägt sei. So hat man die Volksabstimmung im Jahre 1935 interpretiert, als neun von zehn Saarländern fürs Reich votierten. Als vor zwanzig Jahren, am 23. Oktober 1955, immerhin noch zwei von drei Saarländern das europäische Statut für die Saar ablehnten, das diesem winzigen europäischen Herzland die politische Autonomie hätte bringen und die Rolle eines Schrittmachers der europäischen Einigung aufladen sollen – hatten sich da diese 67,7 Prozent der Nein-Sager vom ersten Schimmer des künftigen Wirtschaftswunderglanzes der Bundesrepublik verlocken lassen?