Von Bodo Scheurig

Ich wünschte", sagte Tresckow im düsteren Dezember des Jahres 1941 zu einem seiner Offiziere, "ich könnte dem deutschen Volk einen Film vorführen: Deutschland bei Kriegsende. Dann würde vielleicht das Volk voller Schrecken erkennen, auf was wir lossteuern. Dann würde das Volk ganz sicher meiner Ansicht sein, daß der Oberste Kriegsherr eher heute als morgen abgelöst werden und verschwinden müßte. Da wir aber diesen Film nicht vorführen können, wird das deutsche Volk, wann immer wir Hitler beseitigen, totensicher eine Dolchstoßlegende erschaffen. Und wenn wir noch so milde Friedensbedingungen aushandelten – immer würde es heißen: Wenn ihr den geliebten Führer nicht in dem entscheidenden Augenblick kurz vor dem Endsieg umgebracht hättet, wäre es niemals zu solchen Bedingungen gekommen."