Henry Kissinger, der nach eigenen Worten die kontroverse Auseinandersetzung liebt, fühlte sich "dieses Mal entwaffnet". Anlaß des Eingeständnisses war die totale Übereinstimmung in den Gesprächen mit Bonns Außenminister Scheel. Der Vizekanzler war Mitte voriger Woche auf Einladung der US-Regierung zu einem überraschend kurzfristig bekanntgegebenen Besuch nach Washington geflogen, wo es um Fragen des atlantischen Verhältnisses ging.

Nachdem die hochfliegenden Pläne des Präsidentenberaters, eine neue Atlantik-Charta verabschieden zu lassen, nicht die erwartete Gegenliebe gefunden hatten, reduzierte Kissinger sein Projekt auf eine amerikanisch-europäische Prinzipiellerklärung. Sie soll dem veränderten Weltklima und dem heutigen atlantischen Selbstverständnis sowie den Beziehungen zwischen Amerika und der Europäischen Gemeinschaft gerecht werden.