Das Verwechselspiel um die argentinische Präsidentschaft mag in Europa bestaunt, ja belächelt werden, angesichts der Situation in dem südamerikanischen Land ist es jedoch nicht ohne Logik. Die erwartete Rückkehr Juan Domingo Peróns in die Casa Rosada, den Präsidentensitz in Buenos Aires, ist vielmehr die letzte Konsequenz der augenblicklichen politischen Talfahrt Argentiniens.

Kaum zwei Monate nach seiner Amtsübernahme war unübersehbar geworden, daß Staatspräsident Hector Campora nicht der Mann sein würde, das drohende Chaos abzuwenden. Die verstärkten Aktivitäten linksextremer Guerillagruppen, die Radikalisierung der Arbeitskämpfe, wirtschaftliche Unsicherheit und eine jährliche Inflationsrate von 70 Prozent, dazu ein wachsendes Führungsdefizit der zerstrittenen Regierung waren Symptome einer Existenzkrise, die selbst Anti-Peronisten nach dem starken Mann rufen ließen. So ist es zu erklären, daß auch das Militär, das dem Exdiktator noch vor kurzem die Kandidatur für das Präsidentenamt versperrte, nun keine Einwände mehr gegen die Machtübernahme Peróns erhebt.