Von Hans Hagen Bremer

Die Europäische Gemeinschaft befindet sich in einem desolaten Zustand. Diese Feststellung gilt trotz der Präzision, mit der die Europäische Kommission und der Ministerrat bis zur Jahresmitte die wichtigsten Aufgaben erfüllt haben, die ihnen von der Gipfelkonferenz im letzten Oktober gestellt worden waren.

Dennoch wird heute in Brüssel wie auch in den Hauptstädten einiger Mitgliedstaaten von einer zum Herbst ins Haus stehenden Krise der Gemeinschaft gesprochen. Begründet wird dies mit dem nun schon seit drei Jahren andauernden Mißverhältnis zwischen der Komplettierung der Außenbeziehungen der Gemeinschaft und ihrem mangelnden inneren Ausbau. Seit der Jahresmitte 1970 beanspruchten die Verhandlungen über die Aufnahme neuer Mitglieder, den Abschluß von Freihandelsabkommen mit den EFTA-Ländern, von Präferenzabkommen mit den Mittelmeerstaaten sowie schließlich die Vorbereitung der weltweiten Verhandlungen über Zollsenkungen und Handelserleichterungen im GATT den Hauptteil der Energien in Kommission und Rat. Der letzte wichtige Beschluß für den inneren Zusammenhalt der Gemeinschaft war jener vom April 1970 über die eigenen Finanzeinnahmen der EG.