Von Rosemary Callmann

Düsseldorf

Seit der Homberger Baulöwe Kun von einem wackeligen Kreditgerüst in den Strudel einer gewaltigen Finanzkrise stürzte, hagelt es im Landtag zu Düsseldorf Vorwürfe. Hauptdarsteller in diesem Millionenstück ist jedoch derzeit nicht Kun, sondern Hansludwig Wloszczynski, seines Zeichens aus gesundheitlichen Gründen seit Monaten beurlaubter Leiter des Finanzamtes Moers, das für den bankrotten Baulöwen vom Niederrhein zuständig ist.

Was der 56jährige, gegen den inzwischen die Zwangspensionierung eingeleitet wurde, auf Bahnsteig 10 des Düsseldorfer Hauptbahnhofs einem ZDF-Mitarbeiter anvertraute, weckte die nordrhein-westfälischen Landespolitiker mit Nachdruck aus ihrem Sommerschlaf. Hauptpunkte der Wloszczynski-Beichte: Die Bruchlandung des Josef Kun, dessen Finanzimperium Anfang Juli mit Verbindlichkeiten von weit über 600 Millionen Mark in Konkurs gegangen ist und dabei die Düsseldorfer Bau-Kredit-Bank mit in den Abgrund riß, sei eine "ungeheure Schweinerei", an der mehr Leute beteiligt seien, als man annehme. Aus diesem Grunde, erklärte CDU-Mitglied Wloszczynski gegenüber dem ZDF-Landesstudio, habe er sich an die Düsseldorfer Christdemokraten gewandt und dem Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses, Rechtsanwalt Heinz Günter Hüsch (CDU), Unterlagen der "Akte Kun" zugehen lassen.