Neu in Museen und Galerien:

Berlin Bis zum 27. August, Nationalgalerie: "Hommage à Picasso"

Zur "Hommage à Dürer" 1972 hatte der uralte Picasso selber noch beigetragen. Das Entstehen der Super-Hommage für Picasso selber, die der Propyläen Verlag zu seinem 90. Geburtstag geplant hatte und die jetzt in der Nationalgalerie zu etwa 80 Prozent (einige Künstler sind immer noch nicht fertig geworden) zu besichtigen ist, verfolgte er wohlwollend und neugierig. Rund 60 Künstler aus siebzehn Ländern also huldigen dem unbestritten Größten, indem jeder ein Blatt zu der Graphik-Edition beisteuert. Eine superlativische Angelegenheit ohne Frage, das ehrgeizigste Unternehmen auf dem Gebiet der zeitgenössischen Graphik. Nie vorher war in einer einzigen Mappe oder in einer Kiste, in der die einzelnen Lieferungen untergebracht werden sollen, so viel Prominenz vertreten. Auch der Preis ist superlativisch. Er liegt, wenn das Werk vollendet ist, zwischen 40 000 und 50 000 Mark, bei einer Auflage von 120 Exemplaren, die heute schon so gut wie verkauft ist. Wolf Jobst Siedler, der Leiter des Propyläen Verlags, ist für den Erfolg, Wieland Schmied ist für die Liste der Künstler verantwortlich. Sie ist nicht ohne Witz zusammengestellt, erlaubt sich Abweichungen von der etablierten Hierarchie. Manche große Namen sind ausgespart, Kokoschka, Chagall, Max Ernst, Albers (die vermutlich ohnehin nicht mitgemacht hätten), Leute höchst unterschiedlicher Couleur wurden herangezogen, Konstruktivisten, Surrealisten, Altmeister der Abstraktion und der Figuration, Engagierte und Formalisten: Beuys und Bill, Lipchitz und Wotruba, Fahlström und Chillida, Castillo und Mirò. Das Qualitätsgefälle der Beiträge ist nicht identisch mit der Rangordnung der Künstler. Rauschenbergs Seidendruck gehört zu den dürftigen, Lichtensteins Lithographie zu den herausragenden Arbeiten. Daß in dieser Hommage für einen Toten das heitere Element, das Spiel, ironische Verkleidung und Rollentausch dominieren, hätte der Meister mit Vergnügen gesehen. Picasso alias Velasquez, wie er die Meninas malt, ein Blatt von Hamilton, ist eines der besten der Edition. Ihm ebenbürtig Hockney, der in der Rolle des uralten Malers dem jungen Picasso huldigt. Nach ihrem Start in der Berliner Nationalgalerie wird die "Hommage" nach Hannover, Wien, Rom, Madrid, Amsterdam, Oslo und New York weitergehen.