Von Catherine Krahmer

Als André Malraux vor drei Jahren den Grundstein für das "Staatliche Museum Marc Chagall" legte, schoß aus dem Gedränge ein Maler namens Pinoncelli eine Ladung roter Farbe auf den damaligen Kultusminister des Generals de Gaulle. Geistesgegenwärtig griff Malraux zu, riß den Sprühapparat an sich, und die Kameras konnten gerade noch das künstlich gerötete Gesicht des fliehenden Künstlers festhalten.

Als unlängst, am 7. Juli, der neue französische Kultusminister Maurice Druon das nun fertige Museum einweihte, wachte ein eindrucksvoller "Ordnungsdienst" im Garten und im Haus der "Biblischen Botschaft" von Chagall. Das war allerdings ganz umsonst, denn kein revolutionärer Künstler war weit und breit zu sehen: Maurice Druon wird von der jüngeren Künstlergeneration ignoriert.