Es ist noch gar nicht lange her, da hackte halb Deutschland in scheinheiliger Entrüstung auf Heinrich Böll herum, weil er nicht laut genug gegen die Verfolgung von sowjetischen Intellektuellen protestieren mochte, sondern sich größere Wirkung von leisen Interventionen versprach. Jetzt, wo er doch laut wurde, hat Böll Mühe, sich den Beifall der ehemals Empörten vom Hals zu halten. So, wie sie meinen, meint er es nämlich nicht.

In mehreren Interviews sagte er es vorige Woche ganz direkt: Die kulturpolitische Situation der Sowjetunion verschärfe sich, die Wirksamkeit von Protesten beurteile er immer skeptischer; die zweite Verurteilung, die dem kranken Amalrik wegen Verunglimpfung des Sowjetstaates drohe (die Drohung wurde inzwischen wahrgemacht), sei "himmelschreiend" und "vollkommener Irrsinn" und geeignet, die sowjetischen Behörden auch international völlig zu isolieren.