Von Dieter Bachmann

Der Kriminalwachtmeister Studer sinnt einmal über einen Mordfall nach: "Die ganze Geschichte ist hochgradig unschweizerisch." Hochgradig schweizerisch sind die Geschichten des Friedrich Glauser bis heute geblieben. Unschweizerisch war der Lebenslauf, das Schicksal dieses Schriftstellers, eines Dropouts aus dem wohlgesetzten Rahmen von helvetischer Sitte und Anstand – auf die Schweiz beschränkt sind seine Leser, zu Unrecht, geblieben. Glauser teilt das Schicksal der Generationskollegen Albin Zollinger, Werner Zemp, vielleicht auch Meinrad Inglin und Ludwig Hohl. Sie alle sind in den späten zwanziger, dann in den dreißiger Jahren hervorgetreten, und sie blieben aus politischen Gründen auf die Schweiz verwiesen; als es nach dem Krieg wieder eine Schweizer Literatur im deutschsprachigen "Ausland" gab, waren ihre Namen Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt. Die Älteren waren schnell vergessen, hüben und drüben. Der "Kahlschlag" und der damit verbundene Unsinn, alles, was vorher war, abzuservieren, blieb nicht auf Deutschland beschränkt.