Kassel

Plötzlich war er da – der Wassernotstand. Als die Streifenwagen der Polizei am Mittwochmittag vergangener Woche durch alle Stadtteile Kassels fuhren und Beamte über Lautsprecher die Anordnungen des Oberbürgermeisters verkündeten, nahm es noch keiner so recht ernst. Doch als am späten Abend erneut Polizisten auftauchten, um Einwohnern, die im Schutz der Dunkelheit ihren Rasen sprengten, mit Bußgeldern zu drohen. – da wußte man es: In Kassel ist das Wasser knapp.

Erstmals wieder seit 1959 mußte in Kassel der Notstand der Trinkwasserversorgung erklärt werden. Der Verbrauch an Wasser war, bedingt durch das heiße und schwüle Wetter, in die Höhe geschnellt wie nie zuvor. Da gleichzeitig der Grundwasserspiegel stark zurückgegangen war, ging auch die Fördermenge in den Behältern der Wasserwerke rapide zurück. Im Rathaus entschloß man sich, den Wassernotstand zu verkünden. Bei Strafe ist es danach verboten, Wasser aus öffentlichen Leitungen, gleichgültig zu welchem Zweck, zu verschwenden oder aufzuspeichern. Damit sollte verhindert werden, daß die Stadt gänzlich auf dem Trockenen sitzen muß. Für die Besatzungen von gut einem Dutzend Wasserwagen wurde höchste Alarmstufe gegeben.