Paris, im Juli

Staatspräsident Pompidou möchte nach seinen eigenen Worten die Vereinigte Linke spalten. Aber bis jetzt ist es ihm nur gelungen, das Häuflein der zerbröckelnden Mitte vollends auseinanderzubringen: Das Lager der "Reformatoren", die sich in der Endphase des Wahlkampfes mit ihm "gegen die Gefahr von links" verbunden hatten. Ihre beiden Führer, Jean Lecanuet und Jean-Jacques Servan-Schreiber, sind wieder geschiedene Leute.

Pompidou bot Lecanuet nach der Wahl das Sozialministerium an. Der Vorsitzende des "Demokratischen Zentrums" aber lehnte ab, weil er das Regierungsprogramm nicht reformfreudig genug fand. Für Servan-Schreiber, den Führer der im Wahlkampf gespaltenen Radikalsozialistischen Partei, stellte sich die Frage eines Anschlusses an die Regierungsmehrheit erst gar nicht. Vielmehr mußte er, um bei der Gefolgschaft seiner Partei die Spaltung aufzuhalten, eindeutig Distanz zum Regierungskurs halten. Er tat das mit dem ihm eigenen Hang zu spektakulären Gesten; die letzte war eine Reise in die Südsee, wo er mit einer Gruppe Gleichgesinnter gegen die französischen Atomversuche zu Felde zog.