Von Dieter Buhl

Der Bummelstreik der Fluglotsen hat ihn zum erstenmal zu einer zentralen Figur innerhalb der Bundesregierung werden lassen, aber Lauritz Lauritzen scheint die in diesen Tagen gegebene Chance des Popularitäts- und Profilgewinns nur widerwillig wahrzunehmen. Während sein Gegenspieler, der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Flugleiter (VDF), Wolfgang Kassebohm, die Kunst der Selbstdarstellung bereits mit der Routine einer altgedienten Figur der Zeitgeschichte praktiziert und sich der Nation am Fernsehschirm selbstsicher von der telegensten Seite her darbietet, hatte der Minister noch in einer seiner stärksten Stunden Bedenken, sich dem Fernsehvolk zu präsentieren; Das Angebot des Zweiten Deutschen Fernsehens, Begründung und mögliche Folgen der von ihm beantragten einstweiligen Verfügung gegen die Fluglotsenführung vor der Kamera zu erläutern, nahm er nur nach einigem Zögern an: "Ich bin in den letzten Tagen zu häufig auf dem Bildschirm erschienen", war die offizielle Begründung des Bundesverkehrsministers für die gewünschte Fernsehabstinenz. Aber es darf unterstellt werden, daß die Scheu vor dem Überexponieren geringer war als die vor der Kamera, denn das politische Schaugeschäft ist gewiß nicht das Metier des Schleswig-Holsteiners.