"Aggressionstrieb und Krieg", herausgegeben von Walter Hollitscher, mit einer Einführung von Rolf Denker. Die alte Streitfrage, ob menschliche Aggression biologisch oder sozial bedingt ist, ob die Annahme eines Aggressionstriebes zulässig ist und zur Erklärung der Entstehung von Kriegen etwas beitragen kann, war 1971 Gegenstand eines Symposions im "Internationalen Institut für den Frieden" in Wien, an dem unter der Leitung von Professor Walter Hollitscher (Universität Leipzig) Biologen, Psychologen, Soziologen und Politologen aus Ost und West teilnahmen. Auszüge aus dem Protokoll dieses mehrtägigen interdisziplinären Gesprächs bilden den Mittelteil des vorliegenden Buches. Mehr als Streiflichter vermag eine solche Diskussion kaum zu erbringen; dennoch erhält das Thema durch die Individualität der Teilnehmer einige interessante Facetten, obwohl die Grundfrage kaum kontrovers war. Sehr nützlich ist die ausführliche Einleitung Rolf Denkers, die einen informativen Überblick über die verschiedenen Richtungen der Aggressionsforschung gibt, dabei auch die in den einschlägigen Publikationen meist übergangenen Arbeiten Wilhelm Reichs als des wichtigsten psychoanalytischen Kritikers der psychoanalytischen Aggressionstriebtheorie würdigt und über den Begriff der Angst eine Synthese zwischen dem lerntheoretischen Ansatz und der Frustrations-Aggressions-Hypothese versucht. Von geringem Gewicht, weil wissenschaftstheoretisch naiv aber als sowjetischer Beitrag zur Aggressionsforschung von Interesse, ist die im dritten Teil abgedruckte Abhandlung des russischen Genetikers Wladimir Pawlowitsch Efroimson über die biologischen Grundlagen des Altruismus (aus der Zeitschrift "Nowy Mir") – gleichsam eine rousseauistische Umkehrung der in diesem Band so häufig angegriffenen Aggressionstriebtheorie von Konrad Lorenz mit den gleichen methodischen Schwächen. (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart; 164 S., 18,– DM.) Hans Krieger