Von Barbara von Jhering

Nicht alles, was von Wasser umspült wird, heißt Insel, zumindest nicht in Nordfriesland. Es gibt die Insel – das ist Sylt, darüber braucht man nicht zu streiten. Es gibt außerdem zwei Inseln nämlich Amrum und Föhr, und es gibt schließlich die Halligen, zehn an der Zahl, zwischen 3,5 und 985 Hektar groß,

Nun darf man diese Eilande – um auf einen neutralen Begriff auszuweichen – keineswegs alle über einen Kamm scheren. Auf den Halligen findet man keinen kilometerbreiten Strand wie auf Amrum, keine Dünen und keine Steilküste wie auf Sylt, keine Wälder wie auf Föhr. Es sind flache Scheiben grünen Landes, von denen aus der Ferne nur die Warften aus dem Wasser ragen: Hügel, auf denen sich die Friesenhäuser zusammendrängen, auf der Flucht vor der Flut, kleine Inseln auf den Inseln, Dörfer im Dorf.