Von Peter Bender

Helsinki, im Juli

Diesen Sekt können auch Sie trinken." Mit fürsorglicher Aufmerksamkeit empfiehlt es Walter Scheel dem DDR-Amtskollegen, der auf seine Gesundheit achten muß. Auf Otto Winzers Hinweis, er habe kein Glas, handelt Scheel: Er gibt Winzer sein eigenes und nimmt selbst das Glas eines daneben stehenden Bonner Diplomaten. Die beiden deutschen Außenminister prosten sich zu.

Walter Scheels Charme entwaffnete, weil er natürlich, aber nicht naiv ist. Das gleiche, was der immer fröhlich wirkende Rheinländer mit Winzer tat, hätte er auch mit jedem anderen getan, aber mit Winzer würde er niemals tun, was er mit befreundeten Kollegen ohne weiteres täte. Als ihn die Photographen nach der ersten Begegnung mit seinem DDR-Pendant aufforderten, den Verabschiedungshändedruck zu wiederholen, lehnte er ab. Das Bild wäre um die Welt gegangen und hätte einen Eindruck erweckt, der falsch und beiden Ministern politisch unerwünscht gewesen wäre.