Von Hans Joachim Kreutzer

Der Hang zum Risiko, der sich im niedersächsischen Vorschaltgesetz ausprägte, tritt nach dem Verdikt des Verfassungsgerichts überraschenderweise eher verstärkt in Erscheinung. Auch Eulenspiegel gehört ja nach Niedersachsen, und von seinem Geist scheint sich der Landesregierung einiges mitgeteilt zu haben: Listig und nicht ohne boshaften Witz verfolgt sie ihre hochschulpolitischen Ziele weiter, indem sie den Spruch der Richter buchstäblich auslegt und wenig nach dem Sinn der Urteilssätze fragt.

Aber Eulenspiegels Hermeneutik paßt nicht so recht für diese Materie. Es gibt Grund zu der Befürchtung, daß die minimalen Änderungen, die die Novelle des Gesetzes vorsieht, neuen Streit heraufbeschwören und den Gerichten nicht gefallen werden. Dies muß aber letztlich zu einem Hinauszögern mehr als überfälliger Sachlösungen führen, und daran sind alle Hochschulangehörigen wenig interessiert, ganz gleich, wie sie den Streitfall einschätzen.