Die üblichen Erwartungen werden verstört

Die Provokation klappt immer noch: Bei Vorführungen der Filme von Werner Nekes, selbst auf Festivals, knallen Türen und regt sich Protest; die Herausforderung auf der Leinwand, ungewohnt und unbequem, ruft Äußerungen von Ärger, Verblüffung, Aversion und Aggression hervor, die viel über die üblichen Erwartungshaltungen und Seh-Rituale im Kino verraten könnten.

Dabei betreibt Nekes nichts anderes als eine so konsequent wie phantasievoll und sensibel intonierte "Architektur des Films", Operationen mit dem optischen Vokabular aus den Anfängen des Films, Experimente, die man formalen, abstrakten, strukturellen, absoluten, oder Materialfilm genannt hat. Von irgendeinem Inhalt, den die gezeigten Bilder eines Films vermitteln, verweisen Nekes’ Montagen den Zuschauer auf die Art und Weise der Vermittlung; ihr Thema ist ihre Form, ihre Machart selbst, und, so Nekes, "nicht der gefilmte Gegenstand teilt sich mit, sondern die in der Filmsprache begründete Möglichkeit der Abbildung des Gegenstandes". Eine äußerst aktuelle Konzeption, wenn man an den Boom der Mediendidaktik und -pädagogik, der Kommunikationswissenschaft und der Wirkungsforschung denkt.