Von Rudolf Herlt

In der großen atlantischen Auseinandersetzung sind die Europäer stets die schwächeren Partner

Ein erfahrener Regierungsberater hat einmal, aus dem Nähkästchen plaudernd, erzählt, wie er auf internationalen Konferenzen nach stundenlangen fruchtlosen Debatten immer auf den erlösenden Auftritt des Staatsmannes wartete, der in kühner Rede das Steuer herumreißt und eine festgefahrene Konferenz schließlich zum Erfolg führt. Nie hat er jedoch eine solche Szene erlebt.

Statt dessen war meist nach dem Mittagessen – niemand wußte so recht, warum – die Stimmung plötzlich umgeschlagen. Probleme, die am Vormittag unüberwindbare Hindernisse auf dem Wege zur Einigung zu sein schienen, erwiesen sich am Nachmittag als Belanglosigkeiten, die mühelos beiseite geräumt wurden. Denn nach dem Mittagessen pflegen die Gespräche zu zweit, zu dritt oder zu viert stattzufinden, die Konferenzen meist die entscheidende Wendung geben.