Die Absicht Präsident Nixons, eine Reihe von Kapitalverbrechen durch Bundesgesetz unter Todesstrafe zu stellen, wird bei der Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung Beifall finden. Hierzulande wäre das nicht anders. Die Humanisierung des Strafens und der Strafe war noch nie populär.

In den Vereinigten Staaten hatte es nahezu zwei Jahrhunderte gedauert, bis der Oberste Gerichtshof im Sommer vergangenen Jahres die amerikanische Praxis "death penalty" als Widerspruch zu dem Verfassungszusatz von 1791 erkannte, der es verbietet, "grausame und ungewöhnliche Strafen" zu verhängen. Das knappe Votum von fünf zu vier Richterstimmen schaffte freilich die Gaskammern und elektrischen Stühle nicht ab. Mit seinen höchst unterschiedlichen Einzelbegründungen konnte das Urteil bestenfalls als Appell, nicht aber als Befehl an den Gesetzgeber verstanden werden.