Von Manfred Sack

Lange, bevor es fertig war, hatte das Ding seinen Namen. Es hieß "der Vierzylinder", und genauso sieht es aus. Zwar fallen in der Unterhaltung mit seinem Erfinder, dem Wiener Architekten Karl Schwanzer, auch Bezeichnungen wie "Kleeblatthaus" (nach dem vierblättrigen Grundriß) oder "Hängehaus" (nach der Konstruktion). Doch der "Vierzylinder" ist unschlagbar; denn er reflektiert ganz genau die Symboltrunkenheit, in die das hundert Meter hohe Gebäude am Münchener Olympiapark seine Betrachter stürzt: die Geschoßringe mit der silbern schimmernden Aluminiumhaut aus Japan sehen aus wie Kühlrippen, die Turmaufsätze wie Ventile, im Innern fahren Fahrstuhlkolben auf und ab, und das Museum daneben wäre ebenfalls sinnfällig mißdeutbar als Vergaser oder separierter Auspufftopf. Hatten die Bayerischen Motoren-Werke, als sie bei einer Anzahl von Architekten Entwürfe für ihr neues Verwaltungs-Hochhaus bestellten, womöglich solche Symbolik verlangt? Natürlich nicht. Professor Schwanzer, an derlei Fragen schon gewöhnt, antwortet mit der rhetorischen Frage: "Sollte ich dann für die Verwaltung einer Schuhfabrik einen Haus-Schuh bauen?"