Man darf nicht auf jiddisch spielen", sagte der russische Polizist auf der Bühne des Hamburger Schauspielhauses. (Es war natürlich ein zaristischer Polizist.)

In Polen darf man auf jiddisch spielen. Es gibt nur keine Zuschauer mehr, die Jiddisch verstehen.

Das "Staatliche Jüdische Theater" aus Warschau kam nach Hamburg, haargenau zum fünften Jahrestag jener "Märzgeschehnisse 1968", die zum Massen-Exodus der Reste der polnischen Juden geführt hatten.

Ich war vor etwa zehn Jahren in diesem Theater. In Warschau ging man übrigens nie ins Jüdische Theater. Man ging zur Kaminska. Womit nicht die "Mutter des Jüdischen Theaters", Ester Rachel Kaminska, gemeint war, deren Namen diese Bühne noch immer trägt – wie man erfahren kann, wenn man das Programm sehr aufmerksam liest. Man meinte ihre Tochter Ida, die Direktorin und Hauptdarstellerin des Warschauer Theaters (sie ist seit 1968 in Amerika).