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Frankfurt Bis zum 9. Mai, Kunstverein: "Zauber des Papiers"

Keine didaktische Ausstellung, beschloß und befand Georg Bussmann und engagierte sich eine lustige Person namens Eberhard Fiebig, der sich zu einer Produktionsgruppe Design multiplizierte und das Steinerne Haus am Römer nach dem Prinzip Sesamstraße in ein kinderfreundlich Papiernes Haus verzauberte. Eine Konfettischlacht zur Eröffnung und eine Papiermodenschau und die Papierhymne zum Gedächtnis von Tsai-Lun. Die Geschichte von der Erfindung des Ehrenwerten ist die Geschichte der menschlichen Zivilisation. Im täglichen Umgang mit Papier als Überflußprodukt und Wegwerfmaterial vergessen wir zu leicht, was wir dem Papier verdanken. "Zauber des Papiers":so lustig, so respektlos würden Ernie und Bert eine Papierlektion für die Vorschüler zubereiten. Informationen werden beiläufig und hübsch verpackt angeboten, auch den Nicht-mehr-Vorschülern unter den Besuchern. Was ist handgeschöpftes Bütten, und wie macht man das? Eine Schöpfbütte steht bereit, zur Selbstbedienung. Stichwörter der Papierverwertung, prosaisch und poetisch, werden visualisiert: Papier zum Bemalen, zum Beschreiben, Bedrucken, Verpacken und zum Spielen. Papierdrachen, Windräder, Helm und Schiffchen, Lampions, Papierblumen, Hampelmänner, Schultüten, die erst im 20. Jahrhundert eingebürgert wurden (und auf die alten Römer zurückreichen: Horaz berichtet von dem Brauch, Schulanfängern Zuckerzeug zu schenken). Man sieht regionale und epochale Papierspezialitäten: Bilderbogen aus Epinal und die Mainzer Papierbühnen mit den Theaterdekorationen des Darmstädter Hoftheaters. Dazu und dazwischen Beispiele künstlerisch ambitionierter Papierverarbeitung, wie sie in den Grundklassen der Kunstakademien, im Vorkurs am Bauhaus und heute etwa bei Kurt Londenberg hergestellt werden, aber auch Collagen, Objekte von Armand und Fontana, ein bunter Migof von Schultze. Kunst oder Kitsch, Blödeln oder Belehren, im "Zauber des Papiers" auf der Sesamstraße macht das keinen Unterschied. Papier ist nicht nur flexibel, sondern auch geduldig. Die Exponate stammen aus rund hundert Museen, Fabriken, Verlagen und Privatsammlungen. Zur Ausstellung ist, im Verlag Biermann und Boukes, ein Buch erschienen, in dem Experten und Liebhaber den Zauber des Papiers beschreiben.