Von Gösta von Uexküll

Um Mißverständnissen vorzubeugen: mit dem "Weißen Goliath" ist hier nicht ein bestimmtes Produkt eines bestimmten Waschmittelherstellers gemeint, sondern der psychologisch-kommerzielle Komplex der multinationalen Waschmittelindustrie. Seine psychologische Macht verdankt er dem Zauber des Wortes "weiß". Wir denken dabei an Engel, an Brautschleier, an "weiße Westen" und vielleicht sogar an die Vergebung unserer Sünden. Zudem ist weiß auch – vornehm und edel.

Die kommerzielle Macht schöpft der "Weiße Goliath" aus dem Rückhalt und der Interessengemeinschaft von vier weltmarktbeherrschenden Konzernen: Unilever, Procter & Gamble, Sunlicht und Henkel. Angesichts dieser Machtkonzentration ist es kein Wunder, daß die Waschmittel konsumierende Öffentlichkeit in der Bundesrepublik und in anderen Ländern erst spät, und vielleicht sogar zu spät, die Schattenseiten jenes oder jener weißen Riesen kennenlernte. Inzwischen aber wissen wir, daß weiß und sauber durchaus nicht immer identisch und zuweilen sogar Gegensätze sind.